Gestern druckt Morgen
Der Hochdruck ist das älteste mechanische Druckverfahren, Fossilien sind die Tiefdrucke einer längst vergangenen Zeit. Wissenschaftliche Zeichnungen bilden Zusammenhänge ab und meine Kinder produzieren Bilder mit eigener und künstlicher Intelligenz. Vielleicht gehört der Zeit schon immer die einzige Autorschaft?
In meiner Arbeit stehen eigene Fotografien fossiler Strukturen neben Zeichnungen meiner Kinder. Wissenschaftliche Illustrationen von Pflanzen und Organismen zeigen die Welt als Linie, KI-generierte Bilder berichten von einer unsichtbaren Welt der Algorithmen, deren unendliche Möglichkeiten auch nur auf der Vergangenheit beruhen. Die digitalen Bilddaten der Bildtafeln habe ich mit einem Laser auf Acrylglasplatten graviert, die Platten dienten als Druckstöcke für einen «Hochdruck 2.0». Technik verwächst mit Tradition, die Zeitlichkeit der Bilder hat sich verflüssigt. Die schwarze Tinte fliesst, bei allen Bildern gleich, in die Poren des Papiers.
Innerhalb der Tafeln entstehen visuelle Dialoge zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen dem Analogen und dem Digitalen, zwischen Mensch und Maschine, zwischen meinen Kindern und mir. Autorschaft löst sich auf wie die Disketten der 90er. Das Gestern druckt das Morgen und mein Computer macht Kunst, wenn meine Kinder es ihm sagen. Ich stelle mir vor, wie Steine träumen und Bilder wachsen. Sie haben sich wie Laser in unser kollektives Gedächtnis graviert. Dort dürfen sie ruhen. Vor Grabsteinen aus Muschelkalk schwimmen die Seelilien. Fossile Pixel flackern und ein Einhorn furzt einen Regenbogen – Sätze werden zum Bild.