Fäden ziehen
Ein Faden – unscheinbar und doch essenziell. Er verknüpft Vergangenes mit Gegenwärtigem, verbindet Hände mit Stoffen und erzählt von Arbeit, Geduld und Präzision. Doch wie wird die Arbeit von Schneider:innen wahrgenommen? Welche Strukturen bestimmen ihre Wertschätzung? Die Arbeit, die in jedem Stich steckt, formt das Endprodukt und bleibt doch oft verborgen.
Die Arbeit von Schneider:innen ist oft unsichtbar. Was bleibt, ist das fertige Kleidungsstück – nicht aber die unzähligen Stunden, die Sorgfalt und die Expertise, die in jedem Stich stecken. In meiner künstlerischen und theoretischen Auseinandersetzung hinterfrage ich diese Unsichtbarkeit und mache das textile Handwerk als kulturelle Praxis sichtbar.
Textile Arbeit ist mehr als eine Technik. Sie ist ein Ausdruck von Wissen, Erfahrung und Geduld. Sie verbindet Tradition mit Innovation, Handwerk mit Kunst und schafft Identität. Doch in einer Welt der Schnelllebigkeit und Massenproduktion gerät ihr Wert oft in den Hintergrund. Wie kann das Handwerk neu betrachtet werden und Anerkennung finden? Welche Rolle spielen Zeit, Präzision und Materialbewusstsein in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft?
Durch das Fadenziehen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – mache ich diese Unsichtbarkeit sichtbar. Der Faden wird zum Symbol für Verbindung, Dekonstruktion und Neugestaltung. Er erzählt Geschichten von Arbeit, von Händen, die Stoffe formen, von Erfahrung, die sich in jedem Stich widerspiegelt.
Fäden ziehen erforscht, wie textile Techniken über Generationen weitergegeben werden, welche Bedeutung sie für die Ausübenden haben und wie neue Perspektiven auf das Handwerk entstehen. Es geht darum, Strukturen zu hinterfragen, Verbindungen zu schaffen und die kunstvolle Präzision des Handwerks neu zu würdigen und sichtbar zu machen.