Entscheide dich doch!
Tagtäglich sind wir mit Entscheidungen konfrontiert. Die meisten treffen wir rein intuitiv aus dem Bauch heraus, sodass wir uns nicht bewusst sind, wie oft wir gezwungen sind, etwas zu entscheiden. Doch was ist, wenn diese Entscheidungen nicht mehr unbewusst ablaufen, sondern jede davon unsere volle Aufmerksamkeit benötigt?
Eine typische Situation für Personen mit ADHS ist es, Ratschläge von neurotypischen Personen zu kriegen, die zwar gut gemeint sind, jedoch das Gegenteil von hilfreich sind. Es sind Ratschläge, welche für die Betroffenen nicht oder nur sehr schwer umsetzbar sind und daher zu negativen Gefühlen wie Stress, Selbstzweifeln und Scham führen.
Der typischste Ratschlag lautet: «Entscheide dich doch einfach für eine Sache.» Aber Entscheidungen zu treffen ist für ADHS-Personen mit einem sehr hohen emotionalen Aufwand verbunden. Das Ganze wird noch anspruchsvoller, wenn diese Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen, auf komplettes Unverständnis bei neurotypischen Personen trifft. Für letztere ist nicht vorstellbar, wie scheinbar einfache und meist intuitiv getroffene Entscheidungen für ADHS-Personen ähnlich klingen wie: «Besteige einfach schnell den Mount Everest.»
Da ich regelmässig mit dieser Art von gut gemeinten Ratschlägen konfrontiert bin, nach denen ich nicht gefragt habe und mit denen ich rein gar nichts anfangen kann, versucht meine künstlerische Arbeit, die damit verbundenen Gefühle für andere erfahrbar zu machen. Ich versuche, den Partizipierenden Gefühle der Scham und Verzweiflung zu vermitteln, indem ich sie nachdrücklich dazu auffordere, eine scheinbar einfache Aufgabe zu lösen, die für sie jedoch gar nicht lösbar ist.