Nun wird dieses Losgelassene öffentlich. Und natürlich ist das ein heikler Prozess. Velten spricht oft über die Verantwortung, die er seinen Gesprächspartnern gegenüber hat. Spricht darüber, dass er sie schützen muss. Schützen vor sich selbst? Selbstverständlich legt er die transkribierten Gespräche seinen Gesprächspartnern zum Gegenlesen vor und veröffentlicht einzig autorisierte Gespräche. Trotzdem ist es erstaunlich, was und wie viel die Menschen in diesen Gesprächen preisgeben. Oder: was Velten ihnen zu entlocken vermag. Das Entlockte erfährt allerdings eine Objektivierung, indem wir in Veltens Audioinstallationen nicht die Originalstimmen hören, sondern die Stimmen von Schauspielern. |
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Zwar bleibt vieles von der Authentizität des ursprünglich Gesagten erhalten; gleichwohl findet mit dem Nachsprechen eine Übertragung statt. Das individuelle Schicksal wird zum «Fall». Und die Perspektive wechselt: Statt von innen sieht man dieses Schicksal nun von aussen. Statt der individuellen Gültigkeit bekommt das Gesprochene nun einen universellen Charakter. Und der Schauspieler spricht beide Parts: den des Fragenden und den des Befragten. So wird aus dem Dialog zwischen zwei Menschen so etwas wie ein Dialog mit sich selbst, eine Selbstbefragung. Der Fragende und der Befragte gehen auf in einer Person. Velten hat sich eingenistet in seinem Gegenüber. Mit den professionellen Sprechstimmen werden die Wirklichkeitsprotokolle zum fiktiven Theater. Mit den Schauspielerstimmen nimmt das Authentische eine derart exemplarische Form an, dass wir ihm misstrauen: So wahr es klingt, so schön ist es gesprochen. Da kann was nicht stimmen. Dieser Riss zwischen Realität und Fiktion macht Veltens Werk verstörend fragil. |
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Einzelsystem 2007 |