Till Veltens Antrieb ist seine eigene Neugierde, er ergründet Kompetenzen und Leidenschaften, kleine und grosse Lebensfragen, Absonderlichkeiten und Dinge, die jedermann beschäftigen. In seinen Forschungen lässt er sich leiten von seinen eigenen Interessen und dem, was seine Gesprächspartner ansprechen. So entwickelt sich seine Arbeit nach einem Schneeballprinzip, das von der einen zur andern Frage, vom einen zum andern Gesprächsgegenstand, vom einen zum andern Gesprächspartner, vom einen zum andern übergreifenden Thema führt. Aus diesen netzwerkartigen Systemen entstehen einzelne Arbeitskomplexe, die sich wiederum in den Komplex eines Gesamtwerks einfügen.
Was Till Velten bei seinen Recherchen leitet, ist pures Interesse, pure Neugierde an den Seelensystemen unterschiedlichster Menschen. Bezeichnenderweise hat Velten selber eine Passion für Leute entwickelt, die passioniert ein Hobby betreiben. Ohne äusseren, zum Beispiel materiellen Druck verfolgen diese Leute eine Tätigkeit aus ureigenem Interesse. Diese Qualität einer authentischen Motivation ist es, die Velten fasziniert: Der Imker, der fast jeden Abend bis elf Uhr nachts seinem Hobby nachgeht – wo er doch Frau und Kinder hat. Der Mineraliensammler, dessen Lebensinhalt die Bilder sind, die er aus den ehemals gesammelten Steinen nun zusammenstellt. Veltens Feldforschung weist nach, dass die Wahl eines Hobbys ehrlicher ist als die Berufswahl – so merkwürdig und eigentlich tragisch das klingen mag. |
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Seelensysteme 2007 |