Im Zentrum eines Mappings steht also weniger eine bestimmte definitive Darstellung von Inhalten und Zusammenhänge als vielmehr der Prozess der Aushandlung, die Auseinandersetzung um eine (vorläufig) angemessene Form der Repräsentation. Das im Mapping repräsentierte Wissen ist kein Verzeichnis oder Index, auch nicht in erster Linie ein Text. Die entstehenden Darstellungen und Karten können nicht einfach beigezogen werden, um einen Zusammenhang vollständig aufzuzeigen oder zu erklären. Sie taugen letztlich nur als Orientierungs- oder Navigationshilfe, wenn die auf ihnen dargestellten Zusammenhänge im Alltagsgebrauch neu ausgehandelt werden müssen. Der Prozess des Mappings ist eine spezifische Praxis der Wissensproduktion, bei welcher angenommen wird, dass Wissen überhaupt erst in Bezug auf einen Prozess der Aushandlung und Interpretation relevant ist.


Ziel einer Mappingstrategie ist im Gegensatz zum blossen Erstellen einer Karte oder einer Infografik nicht einfach die möglichst anschauliche Darstellung eines unakzeptablen Zustandes, etwa mit dem Ziel, die Öffentlichkeit auzufklären. Es ist vielmehr ein Ansatz, um durch die Einführung (und Sichtbarmachung) differenzierterer Zusammen- hänge die Verhältnisse grundsätzlich zur Disposition zu stellen, um über andere Erzählungen neue Perspektiven zu eröffnen. Somit liegen die eigentlichen Stärken des Mappings nicht primär in der Darstellung und Veröffentlichung von Informationen – selbst wenn es Informationen sind, die der Öffentlichkeit sonst vorenthalten werden – sondern in den taktischen Möglichkeiten, situativ und punktuell Wissen zu generieren, in Austausch zu bringen und dabei gemeinsam zu nutzen.


 

Mapping kann als eine Methode für kollaborative und partizipative Forschung eingesetzt werden. Die gemeinsame Arbeit an und mit bestimmten Formen von Karten oder kartenähnlichen Darstellungen bildet dann gewissermassen eine gemeinsame Plattform. Strategien des Mappings eigenen sich besonders für Forschungen, die auf Multiakteursperspektiven aufbaut und mit Vermittlung gekoppelt sind. Mappings erlauben einen Prozess der kontinuierliche Überarbeitung des Wissensstandes durch den laufenden Einbezug von Erfahrungen und Erkenntnissen aus dem Alltag oder aus der Praxis. Die dabei entstehenden Repräsentationen stellen jeweils nur vorläufige Ergebnisse dar und sind immer Ausganspunkt für neue Debatten.


Peter Spillmann 12/08