Das Imaginäre ist Schwindel erregend. Ein Versuch im Intermedialen Zu: Tatjana Marusic, memory of a landscape (2004) Technoide Bilder, wie sie das Intermediale hervorbringt, können mehr als verstören. Dies zeigt eine Arbeit von Tatjana Marusic mit dem Titel„A Memory of a landscape“ (2004), die eine das Imaginäre der Bilder zurückholt in eine fast unbegreifliche Schönheit. |
|
Zunächst stellt auch der fragmentierte und in flüssige Pixel sich lösende Winnetou auf seinem Pferd die Frage der Beziehung zwischen dem Blick, dem Bild und seinem Objekt ins Zentrum. Aus der Bildstörung wird hier aber eine Bildmeditation – technisch erzeugt durch das Löschen des Kopierschutzes an den alten Videobändern, also auch eine gewaltsames Eindringen in den Film. Durch dieses Eindringen wird die Einbildung der schönen Projektionsfigur für das eigene Sehen beschädigt – sie löst sich vor unseren Augen in die Landschaft auf und wir sind mitten im Drama der Unerreichbarkeit medialer Sehnsuchts- und Erinnerungsbilder: War er nicht der beste und schönste aller Indianer, der einzig denkbare Mann? Und gleichzeitig eben, als Figur des Imaginären, unerreichbar, unvorstellbar – und viel mehr als Pierre Brice je darstellen konnte? Eben weil sein Bild nicht fixierbar ist durch einen Film, weil die Sehnsucht nach dem Anderen vergeblich bleiben muss, weil der Mann aller Männer immer schon flüchtet und zergeht im Imaginären der Bilder, sind wir allein mit unserer Sehnsucht. Damit zeigt die Arbeit von Tatjana Marusic, dass Medien beides sind: Verbindungen und auch Trennungen – die es ja braucht, damit wir nicht mit Winnetou dahinschmelzen. Das Glück dabei, seine Schönheit und sein Schwindel sind Ergebnis einer fast zärtlichen Blickführung durch die Landschaft der Pixels, mit welcher die Einbildung wieder auf unserer Seite ist, was möglicherweise die Voraussetzung ist fürs Glück. Es ist immer narzisstisch: wir sind in der Wahrnehmung bei uns, in der Autoerotik der Wahrnehmung gewissermassen, die Sehnsucht ist für einen Moment nicht vergeblich... |
Aus: „Das Imaginäre ist Schwindel erregend. Ein Versuch im Intermedialen“, in: Simon Zumsteg et al. (Hrg.), Archipele des Imaginären, Zürich: Ed. Voldemeer 2008. |
|