Für das Projekt „Transit09“ der Albert Köchlin Stiftung habe ich bei 30 Personen oder Familien fotografiert, die unmittelbar an der Autobahn zwischen Luzern und Mailand leben. Ein erstes Bild zeigt die Sicht des Vorbeifahrenden auf das Haus. Das zweite, zentrale Bild zeigt die Sicht aus dem Haus mit einer Referenz wie einem Balkongeländer oder dem Fensterrahmen auf die durch die Autobahn geteilte Landschaft. Die dritte Fotografie zeigt einen Innenraum, der meistens mit vielen Bildern als visionäre Raumerweiterung behangen ist. Daraus ergibt sich ein Triptychon, welches es ermöglicht die Räume zu transzendieren. Wir gelangen vom öffentlichen Raum in den privaten Raum. Der Wunsch der Gesellschaft nach uneingeschränkter Mobilität und Güteraustausch kollidiert mit dem Wunsch des Einzelnen nach Lebens- und Wohnqualität. Die Gründe, weshalb die Menschen so nahe an dieser Strasse leben sind vielfältig. Ein Interview mit den einzelnen Parteien gibt darüber Aufschluss und zeigt, wie mit der Situation umgegangen wird. Dabei entpuppt sich auch die Sprache als ein individuelles Bild, welches das Triptychon ergänzt.


Die Aufnahmen und Interviews entstanden vom Sommer 2008 bis zum 1. September 2009. Ende Oktober erscheint zu diesem Projekt im Benteli-Verlag ein Bildband.



Interview-Ausschnitt Bucher:

Herr Bucher: Der Nationalrat Albrecht, der da hinten gewohnt hat, wollte unbedingt, dass die Autobahn hier durchgeht. Sie haben damals auch überlegt, die Autobahn schon in Oberdorf in einen Tunnel bis nach Uri zu verlegen. Im Nachhinein wäre das wahrscheinlich nicht teurer gekommen, weil es um Beckenried ein riskantes Erdrutschgebiet ist. Aber dieser Nationalrat wollte natürlich hier eine eigene Ausfahrt haben.