KINO
In meiner Vorstellung sehe ich eine riesige Bilder- maschine. Ein im Licht mit hoher Geschwindigkeit rotierendes, transparentes Möbius-Band projiziert Motive aus unserem Innern und Phänomene von aussen als komplexe Bildwelt auf seine eigene „einseitige Fläche“.
Was wir sehen ist eine durch den Filter unserer Erinnerung, unserer Erfahrung und unserer Empfindung projizierte, prekäre Konstruktion, die wir permanent aus Teilen unserer sinnlichen Wahrnehmung zusammen- setzen – die Welt als Erscheinung.
Wir sehen riesige Städte über den Globus verteilt, wir sehen Kriege und Terror, wir sehen Kathedralen, Mu- seen, Sportstadien und Warenhäuser.
Und wir sehen Informationen als Bild und Text über Bildschirme flimmern.
Alles gerät uns zum riesigen Spiegel dessen Ränder wir nicht sehen können.
Als Künstlerinnen und Künstler sind wir in höchstem Mass mit dieser Spiegelung konfrontiert.
Wir sind motiviert.
Und unser Interesse zwingt uns dazu, noch näher an die Dinge heran zu gehen.
Mit unserer Stirn berühren wir schliesslich die kalte Spiegelfläche und versuchen aus dieser schwierigen Situation heraus, Visuelles herzustellen.
Bilder machen als kritisches Unterfangen, um im künstlerischen Zugriff Abstand zu gewinnen und um enttäuscht festzustellen, dass hinter dem Spiegel und hinter dem Bild nichts anderes lauert als das immer noch gleiche, schillernde Spiel des Lichts auf den blanken, opaken Oberflächen der Dinge.
Die Welt als ein grosses Lichtspieltheater.
Und jeder von uns ist Operateur und Zuseher zugleich.
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Stefan Gritsch, Lenzburg im Januar 2006 |
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STUDIO L206, STEFAN GRITSCH, Recycling & Copyright, hslu Design & Kunst, Grossmatte 28/30, 6014 Littau |