Caroline Keller

By Rene Gisler on
Ready, Set, Loop! – 2018
Rhythmus kennen wir vor allem klanglich – durch die Musik. Doch was ist mit der visuellen Rhythmik? Die ist uns wahrscheinlich eher unbekannt.

Läuft man durch einen Ort und setzt seine Kopfhörern auf, fällt einem manchmal zufällig eine visuelle Rhythmik auf. Eine Person, welche zum Takt der Musik läuft, welche wir gerade auf unserem Ipod laufen haben. Oder die Ampel, die genau bei Refrain- beginn auf Grün wechselt, wie sich die Blätter der Bäume mit den High-Hats im Track verbinden.
Dieser Prozess wird in der Installation „Ready, Set, Loop!“ umgedreht. Sie geht davon aus, dass ein Bild so verändert werden kann, dass es hörbar wird. Betritt eine Person die Installation, bewegen sich links und rechts von ihr zwei Licht- balken mit. In der Mitte erscheinen je nach Abstand zur Leinwand die Worte „Ready*, „Set“ und „Move!*. Diese sollen auch wirklich als Aufforderung angesehen werden!
Durch Körperbewegungen kann man den Rhythmus aktivieren. Durch die Stärke der Bewegungen und die Zeitdauer, welche man in der Installation verbringt, werden im- mer mehr Effekte ausgelöst. Sobald man sich aufhört zu bewegen, verringern sich auch die Effekte. Verlässt man die Installation, wechselt das Bild auf schwarz.

Die Installation stellt der Beginn einer weiteren Arbeit in diesem Stil dar. Ziel ist es, Effekte noch vielfältiger steuern zu können. Damit könnte der Besucher zum Komponisten werden, indem er das Licht steuert. Durch die direkte Übersetzung von den Körperbewegungen zu den visuellen Effekten sollen die technische Ebene für den Besucher möglichst in den Hintergrund treten.

In meiner schriftlichen Master-Thesis habe ich mich grundsätzlich gefragt, ab wann ein Kunstwerk interaktiv ist. Dabei hatte ich die Vorstellung, dass ich auf unterschiedliche Theorien stossen würde, anhand deren ich mir dann eine eigene Meinung bilden kann. Schnell haben sich dabei diese Fragen herauskristallisiert: Gibt es für die Interaktivität eine Skala? Ist der Interaktivitätsgrad abhängig von den Handlungsmöglichkeiten der Betrachter? Wird der Betrachter womöglich sogar zum Co-Autor? Warum wird Interaktivität so stark mit den digitalen Medien verbunden? Muss sich die interaktive Kunst den digitalen Medien bedienen? Daraus hat sich für mich folgende These ergeben:
Interaktivität bedeutet einen Kausalzusammenhang zwischen mitwirkendem Publikum und interaktiver Funktionsweise des Kunstwerks. Durch Interaktivität in diesem Sinne wird die Spontanität und Intuition des Besuchers angesprochen.

Videodokumentation