Stefanie Bühler

By Laura Bider on
Kost und Unterkunft <-> Zeichnen und Malen – 2017
Im Zeitraum von drei Monaten, vor und während der Abschlussausstellung, bot ich in Altdorf meine Dienstleistung als Künstlerin und kreative Gestalterin an.

Ich wurde inspiriert durch eine Erzählung über den Künstler Heinrich Danioth (1896–1953), der auf ähnliche Weise in der Umgebung um Altdorf unterwegs war. Auf Wunsch und Absprache konnten mich die Altdorferinnen und Altdorfer für ein paar Tage buchen und einstellen. Als einzige Gegenleistung bezahlten sie mich, indem sie mich und meine Hündin Doris in der Zeit der Anstellung in Altdorf unterbrachten und verköstigten. Die Details des Handels wurden vorab in einem persönlichen Gespräch abgeklärt. Die Erzeugnisse wurden von mir dokumentiert und archiviert, und sind auf meiner Webpage einsehbar. Ziel des Projekts war ein Handel von dem alle Parteien profitieren sollten. Für mich standen vor allem die Auseinandersetzung und die Erfahrung im Mittelpunkt. Das Projekt behandelte sehr unmittelbar viele relevante Themen. Beim Aushandeln wird ein Abkommen getroffen und es kommt eine Dynamik zustande. Es ergibt sich eine Auseinadersetzung mit Kunst und mit Kunsthandwerk. Es geht um ein Aufeinandertreffen, um Übereinkunft, um Profit und um Wertung. Ich kam in Kontakt mit verschiedenen Bedürfnissen, Ansichten und Ansätzen. Es entstanden unterschiedliche Rollenverhältnisse und Beziehungen. Für mich bewegt sich das Projekt an spannenden Schnittstellen zwischen Kunst, Gesellschaft, Individuum, Handwerk, Öffentlichkeit und Intimität.

Stefanie Bühler, Kost und Unterkunft <-> Zeichnen und Malen, Altdorf, 2017

Stefanie Bühler, Kost und Unterkunft <-> Zeichnen und Malen, Altdorf, 2017

Dokumentation Ausstellung:
Theoretische Masterthesis
Rollen und das soziale System Kunst – Untersuchung von drei Kunstbeispielen und Selbstreflexion

Die Arbeit handelt von drei Beispielen der Gegenwartskunst, die sich alle an der Schnittstelle zwischen Kunst und Dienstleistung bewegen. Auf Basis des Werks von Hans Dieter Huber „die Kunst als soziales System“ wird analysiert, wie sich die Beispiele systemtheoretisch zwischen den beiden sozialen Systemen Kunst und Dienstleistung einordnen lassen. Die Untersuchung befasst sich auch mit den Rollen der verschiedenen Beteiligten, insbesondere derjenigen der Künstlerin, respektive des Künstlers. Dabei wird das Modell von Otto Marmet über Rollen und Rollenkonflikte, und die verschiedenen Umgangsarten damit, auf die untersuchten Beispiele übertragen. Zum Schluss wird auch noch das eigene Projekt „Kost und Unterkunft <-> Zeichnen und Malen“ untersucht und in diesem Kontext betrachtet.