Joël Vuille

By Laura Bider on
Wenn ich doch nur auf meine Milz gehört hätte! – 2017
Ich zeigte meine Arbeit, in der Kapelle des Kulturklosters Altdorf. Sie bestand aus einer Installation mit drei verschiedenen Teilen. Wenn ich doch nur auf meine Milz gehört hätte! könnte ein Bekenntnis an sich selbst sein, nicht auf die eigene, stumme, im Unterbewusstsein liegende Milz gehört zu haben.

Joël Vuille, Wenn ich doch nur auf meine Milz gehört hätte!, Altdorf, 2017

Joël Vuille, Wenn ich doch nur auf meine Milz gehört hätte!, Altdorf, 2017

Joël Vuille, Wenn ich doch nur auf meine Milz gehört hätte!, Altdorf, 2017


Die Gruppe der schwarzen Porzellanvasen trägt den Titel Blinder Kampf. Es handelt sich um eine Arbeit, bei der ich eine gläserne Kampffischvase abformte und anschließend aus Keramik goss. Durch diese materielle Abänderung verliert diese Vase ihre ursprüngliche Funktion. Das opake, schwarz glasierte Porzellan verunmöglicht, einen Fischkampf zur Schau zu stellen. Was bleibt, ist die Vorstellung eines im Dunkeln stattfindenden Kampfes.

 


Korpus ist eine Skulptur, die ein wenig wie ein geschliffener Diamant anmutet, jedoch aus rohen Sperrholzplatten angefertigt ist. An fünf Seiten befindet sich je eine Öffnung, die den Betrachter zum Reinfassen auffordert. Was erwartet man in diesem Körper ertasten zu können? Wie fühlt sich darin die Hand eines anderen Besuchers an? Wie bei den Porzellanvasen entzieht sich auch hier das Geschehen im Innenraum dem Blick.


Ausgangspunkt für diesen Stuhlschrank war für mich die Auseinandersetzung mit einer Umarmungsmaschine, die von der Autistin Temple Grandin zur Selbst-Therapierung entwickelt wurde. Sie entwarf/konstruierte einen Apparat, in dem sie sich ähnlich wie in einer Umarmung geborgen fühlte und sich entspannen konnte. Diese Idee der Selbst-Therapierung setzte ich in einem anderen Modell eines Beichtstuhles um. Auf dem Stuhlschrank wird man auf sich selbst hingewiesen.

Dokumentation Ausstellung:
Theoretische Masterthesis

Die Edition, die ich im Rahmen der schriftlichen Abschlussarbeit des Masters in Kunst an der Hochschule für Kunst und Design in Luzern verfasse, beschäftige ich mich mit der Konstruktion des Selbstbildes. Diese Konstruktion geschieht nach Lacan in der Verschränkung von symbolischen, imaginären und reellen Räumen. Diese Überlappung finde ich spannend, und ich möchte die Thematik in dieser Vieldeutigkeit behandeln. Meine künstlerische Arbeit Wenn ich doch nur auf meine Milz gehört hätte! ging auf die Architektur und die Repräsentationen der Kirche des Kapuzinerklosters Altdorf ein, wo sie auch gezeigt wurde. Religiöse Gebäude und Gedanken sind stark identitätsstiftend und somit mit der Konstruktion des Selbstbildes verbunden. Das Gemälde im rechten Seitenflügel der Kirche illustriert die Identifikation des heiligen Franziskus mit dem Christus sehr konkret. Bei der Stigmatisation haben sich die Wundmale der Kreuzigung auf den Körper des Franziskus übertragen. Dieses Bild zeigt, wie bei dieser Identifikation Realität, Imagination und Symbolik verschmelzen. Ausgehend von diesem christlichen Kontext, möchte ich in meiner Edition das Themenfeld der Konstruktion des Selbstbildes weiterverfolgen und durch Bilder und Texte von verschiedenen Quellen erweitern. Einen besonderen Schwerpunkt lege ich dabei auf die Lücken der Wahrnehmung die wir durch Imagination zu verschliessen vermögen um ein Gesamtbild unser Selbst im Gedächtnis zu konstruieren. Natürlich kann ich diese Lücken nicht aufzeigen, jedoch durch präzis gewählte Beispiele auf die Fragmentartigkeit des Selbstbildes hinweisen und damit Fragen aufwerfen. Die Bilder, die ich für die Edition auswähle, kopiere ich manuell mithilfe von Kohlepapier. Dadurch bringe ich die medial unterschiedlichen Bilder in eine Bildsprache. Das manuelle Kopieren verleiht der Edition einen intimen Charakter. Die Wahl der Bildmotive lässt eine subjektive Auseinandersetzung mit dem Thema erkennen.