Sekha Ken

By Vera Leisibach on
Reussinsel 40
Hinter den Scheiben eines Wintergartens entstand über Monate hinweg ein Miniaturmodell des Quartiers, in dem er steht. Eine eigenwillige Ausführung sowie der Standpunkt der Betrachter werfen verschiedene Fragen auf zur Rolle von Autoren künstlerischer Arbeiten und zur Relevanz von Darstellungen für Dritte.

Das Gebiet zwischen Luzern und Emmenbrücke entlang der Reuss stellt seit meinem Zuzug im Jahre 2009 einen thematischen Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeiten dar; wobei ich mich der Annäherung und Aneignung bestimmter Orte widme. Der Titel «Reussinsel 40» ist nichts anderes als der Standort meiner Wohnung, welche in den letzten Jahren zu meinem Arbeits- und Rückzugsort geworden ist. Der Wintergarten wurde für diese Arbeit temporär zu einem Atelier umfunktioniert. Darin ist nun über mehrere Monate die modellhafte Nachbildung meiner unmittelbaren Umgebung entstanden. Die dreidimensionale Darstellung beruht einerseits auf meinen persönlichen Wahrnehmungen und Dokumentationen, andererseits auf dem Einsatz kartografischer Medien. Als Gesamtes hat die Arbeit keineswegs den Anspruch, ein korrektes und vollständiges Modell darzustellen. Vielmehr lässt sie sich als Gegenbeispiel zu starren Stadtmodellen, wie sie oft in Form von Bronzereliefs in Innenstädten anzutreffen sind, betrachten. Diese sind meist aus einem Guss gefertigt und zeigen oftmals nur einen bestimmten Ausschnitt der Stadt. Auch die Stadt Luzern besitzt seit 2013 ein solches Relief, gestiftet vom örtlichen Kulturclub. Auf einem einbetonierten, quadratförmigen Sockel steht es auf dem Theaterplatz, unmittelbar neben der Jesuitenkirche und zieht seither Passanten in seinen Bann. Die Miniaturnachbildung meines Quartiers im Wintergarten, die grösstenteils aus dem Material Ton besteht, befasst sich jedoch nicht nur mit der Frage nach der Gültigkeit und Rezeption eines Modells von Stadt. Die Arbeit wird durch den Titel und den besonderen Standort zu einer persönlichen Angelegenheit. Die Glasscheiben sorgen dafür, dass die Betrachter draussen bleiben – sowohl auf physischer, als auch symbolischer Ebene. So sieht man sich als Rezipient mit grundsätzlichen Fragen konfrontiert: Befindet man sich denn nun innerhalb oder ausserhalb der Arbeit? Welche Rolle nimmt man ein? Ist man überhaupt da, wo man glaubt zu sein?

Sekha Ken, Reussinsel 40, Reussinsel von oben, Luzern 2014