Andrée Ammon

By Vera Leisibach on
Aus den Fugen! – Aktivitäten zwischen Politik und Kunst im Luzerner Untergrund.
«Unbefugten Verweilen verboten?» Genug nett und adrett posiert – raus aus den Fugen! Die Marmordame steigt vom Sockel. Mit Witz und Grimm initiiert sie frische Ereignisse zwischen Kunst, Politik und Leben im Luzerner Untergrund. Workshops, Happenings und Aktionen schaffen unvorhergesehene Allianzen zu unbefugtem Kulturtreiben: mit Kunst und Geschichte spielen, mit allen Sinnen denken, lernen und entlernen, verweilen und feiern. Andere Fügungen in Bewegung setzen!

«Alleine denken ist kriminell – bildet Banden!» Das Projekt «Aus den Fugen!» will die Behauptung: «Es könnte ganz anders sein! Wir könnten ganz anders tun!» mit unterschiedlichen Aktivitäten im Luzerner Untergrund auf die Probe stellen. «Glück für alle?» In Zeiten sich verschärfender Verwertungs- und Ausgrenzungspolitiken und gleichzeitig komplexen Verstrickungen und Vereinnahmungen, in Zeiten explodierender Kommunikationsmöglichkeiten, wo technische Geräte und körperliche Funktionen sich zu neuen Apparaten verbinden, da stellt sich für leidenschaftliche Umtreiber/innen und Glückskämpfer/ innen die Frage: was kann hier und heute rebellisches Handeln bedeuten?

Das Projekt «Aus den Fugen!» initiiert Ereignisse auf der Suche nach emanzipatorischen, lustvollen Praxen. Künstler/innen und Unkünstler/innen, Lümmler/innen und Aktivist/innen sind eingeladen zu gemeinsamem Tun in temporären Allianzen, auf der Suche nach kommunikativen, sinnlichen Formaten. In unterschiedlichen Setzungen werden Erkenntnisse und Zugänge aus Kunst und Theorie, Aktivismus und Alltag in produktives Zusammenspiel gebracht. Die Akteure/-innen sind eingeladen, eigene Erfahrungen zu gestalten und sich im Kollektiv zu Neuem anzuregen. Nicht ein festgelegtes Endprodukt ist das Ziel, was entsteht, kann von allen Beteiligten weiterentwickelt werden: «Klaut Ideen und verschenkt die Besten!» [«Erstes Manifest grosser und angesehener Künstlerinnen», Basel 1999] Gemeinsam wird verhandelt, was einer weiteren Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Das Projekt knüpft bei bestehenden lokalen Initiativen an, sucht Komplizen/-innen nah und fern und lässt sich inspirieren von Queer und Crip, feministischen, postkolonialen und antirassistischen Diskursen. Mit der Aktion «Riesenfi gurinen aus den Fugen!» setzte die Lady der Baselstrasse, die Marmor- Videostill der Aktion «Riesenfi gurinen aus den Fugen!», dame en plastique, im März den Auftakt. In kollektiver Arbeit entstanden in einem zweitägigen Bauhappening tragbare Riesenfigurinen, eigenwillige Körperlichkeiten und mehrdeutige Weiblichkeiten. Anlässlich des internationalen Frauentags schwärmten sie mit einer temporären Performerinnen*Gang in die Altstadt aus und verwickelten Passanten/-innen in freundlichen Emanzenschabernack. In den intitiierten Aktivitäten sind Körper und Subjekte als Handelnde im Fokus, als individuelle und als kollektive, wandelbare Akteur/innen jenseits identitärer Kategorisierungen. To be – to act? Es geht um ein Spiel mit Artikulationen und Sichtbarkeiten, um Durchlässigkeiten und Unbestimmbarkeiten in scheinbar festgefügten Normalitäten. Wir erproben unterschiedliche gestalterische und performative Zugänge, Rebel Clowning und Play-Back-Theater. Auf dem projekteigenen Blog werden Materialien dazu im Sinne des DIY-Aktivismus in weiteren Umlauf gesetzt. Unterwegs, um Verhältnisse und Wertigkeiten zu que(e)ren, bewegt sich das Projekt in manchen Widersprüchen und setzt mit verschiedenen Aktionen, Workshops und Happenings erste Startpunkte, die weitergehen wollen. Die Blogseite ausdenfugen.wordpress.com lädt ein, Materialien zu vergangenen und zukünftigen Aktivitäten zu besichtigen und sich in unbefugte Diskussionen einzumischen!

Andreé Ammon – Riesenfigurinen aus den Fugen! Aktion zum Frauentag 8.März Luzern, 2014

Andrée Ammon, Plakat zur Aktion; Riesenfigurinen aus den Fugen! Frauentag 8.März 2014, Stadt Luzern