Philipp Schwegler

By Vera Leisibach on

Luminous Sound Design
Luminous Sound Design besteht aus rund dreitausend eigenhändig verarbeiteten Leuchtdioden und bietet einen differenzierten Zugang zu subkultureller (Club-)Kunst und der ihr eigenen spezifischen Ästhetik.

LED-Technologie wird meist assoziiert mit kommerziellen Spektakeln aus Werbung und Entertainment: gigantische Pixelscreens oder Lichtshows auf den weltgrössten Bühnen und in Medienevents. Die Arbeit «Luminous Sound Design» bedient sich dieser Sprache des Mainstreams und der Popkultur und macht sie sich zu eigen, um sich im öffentlichen Raum eine visuelle Existenz zu verschaffen. «Luminous Sound Design» macht digitale Prozesse sichtbar, die entstehen, indem Informationen und Codes mit Schallereignissen interagieren, sowohl mit solchen aus der unmittelbaren Umgebung, als auch mit davon unabhängigen. Dies kann bis zur Evokation von synästhetischer Erfahrung führen. Die Arbeit reflektiert die prosumistische Haltung des Künstlers: Er ist ein produzierender Konsument. Er ist ein «Modder», der industrielle Hard- und Software verändert, ein «Customizer», indem er sie seinen Zwecken massschneidert, ein «Tuner», wenn er sie optimiert. Damit widersetzt er sich dem Diktat industrieller Standards. Diese Auseinandersetzung befragt gleichzeitig sein fundamentales Bedürfnis nach Individualität wie auch das Recht darauf innerhalb einer konsumorienterten Gesellschaft. Der Arbeit zugrunde liegt die Entdeckung von Zusammenhängen zwischen sogenannten transformationellen Festivals wie «Burning Man» in Nevada, USA, oder «Boom Festival» in Portugal und visionärer Kunst. Letztere versammelt diverse Kunstrichtungen aus ebenso vielen Epochen, ob surrealistisch, psychedelisch, esoterisch oder okkult, Op-Art, Outsider Art oder Art Brut: Diese Genres rufen nach einer Neuverhandlung der Frage nach ihrer (Il-)Legitimität. In der Thesisschrift werden damit eine eigenwillige Subkultur mit ihrem spezifischen Verständnis von Kunst umrissen sowie die Dekorations- und Kunstformen, die sich um die transformationellen Festivals herum etabliert haben.
Zu sehen und zu hören ist «Luminous Sound Design» vom 20. bis 28. Juni 2013 als Rauminstallation im abgedunkelten Dachgeschoss der Motorwagenhalle, ausgenommen die beiden Samstage: Am Abend des 22. Juni wird das Lichtspektakel im Rahmen einer Aktion auf dem Sarnersee erscheinen, und am 29. Juni präsentiert der Künstler zusammen mit dem Kollektiv «Coma Corporation» sowie mit der Unterstützung von lokalen DJs ein Arrangement aus Licht- und Soundsequenzen an der Promenade zum Seefeldpark. Bereits am Nachmittag erwartet die Besucher/ innen ein geselliger Event begleitet von sphärischer bis rhythmischer Musik aus verschiedenen elektronischen Genres.

Philipp_Schwegler

Philipp Schwegler, Luminous Sound Design, Sarnen 2013