Nora Fluri

By Vera Leisibach on

Verweilen
Dieser Ort lädt zum Verweilen ein. Jener nicht.

Ich beschäftige mich mit Orten, Plätzen, Ecken, Aussenräumen, Nischen, Verstecken. Dazu gehören Orte, an denen man sich niederlassen und aufhalten möchte, und Orte, die wie die Antithese dazu wirken, die die Einladung zum Verweilen nur widerwillig aussprechen oder zumindest nur ganz leise äussern. Mich interessiert die Ausstrahlung oder der Ausdruck von Orten, die sich mit der Aneignung durch die Menschen verändern. Aneignung bedeutet hier, zu fragen: Ist der Ort belebt oder nicht? Ist der Platz gewachsen oder konstruiert? Gibt es Zeichen von sorgfältigem Umgang mit ihm oder wird er von den meisten Leuten ignoriert beziehungsweise übersehen? Bemerkenswert scheint mir dabei auch das Verhältnis von Funktion und Dysfunktion eines Ortes, das oft davon abhängt, ob er durch Eigeninitiative erschlossen oder von einer übergeordneten Instanz konstruiert wurde. Ich untersuche mit meiner Arbeit die Spuren des Lebendigen, die auch in Abwesenheit der Leute vorhanden und sichtbar sind und damit die Ästhetik der Plätze beeinflussen. Mich interessiert, wie kleinste Verschiebungen, Spuren, Details massgeblich die Ausstrahlung eines Orts verändern. Ich studiere die Orte, um jene Einzelheiten ins Bewusstsein zu heben, die normalerweise – unbeachtet wahrgenommen – zu einer Zu- oder Abneigung gegenüber dem Ort führen. Diese Beobachtungen sind zu einer Art Reiseführer verdichtet, der einlädt, ausgewählte Orte in Sarnen zu besuchen, und der dazu anregt, mit diesem Fokus auf den Spuren des Menschlichen und Lebendigen eigene Entdeckungen zu machen.

Nora Fluri 1

Nora Fluri, Verweilen, Sarnen 2013

Nora Fluri

Nora Fluri, Verweilen, Sarnen 2013