Re-Lektüren: Transkulturelle Moderne, Landschaftsdesign, visuelle Diskurse des 19. Jahrhunderts

By Vera Leisibach on

Input-Veranstaltungen des Master of Arts in Fine Arts im Herbstsemester 2012/13

‹Kunsthistorische› und ‹künstlerische› Denkansätze werden in den Input-Veranstaltungen des Master of Arts in Fine Arts exemplarisch zusammengebracht. Experten/-innen präsentieren aktuelle Fragestellungen und unternehmen dadurch Re-Lektüren bestehender Debatten. Damit werden neue Diskurse in der Kunst auf Perspektiven postkolonialer Kritik und kulturwissen- schaftlicher Analysen erweitert.

4. Oktober 2012, 16.15 –17.30 Uhr
Displaying the absent: Die transkulturelle Moderne ausstellen
Prof. Marion von Osten, Berlin
Am Beispiel des Ausstellungsprojektes „In der Wüste der Moderne. Koloniale Planung und danach“ (Berlin/Casablanca) und des Forschungsprojektes „Model House – Mapping Transcultural Modernisms“ (WWTF Wien) möchte ich in das Konzept der transkulturellen Moderne einführen. Dieses Konzept fokussiert auf das Netz von Begegnungen, transnationalen Einflüssen und lokalen Aneignungen, wie sie sich u.a. in der Architekturmoderne auf unterschiedliche Weise in nicht-europäischen Kontexten realisiert haben. Mir den oben genannten Projekten wurde zudem auf den eurozentrischen Diskurs des Modernismus mit einer multi-perspektivischen, dezentrierten Form künstlerischer und kulturwissenschaftlicher Wissens- und Ausstellungsproduktion reagiert, die von post-kolonialer Kritik informiert ist.

25. Oktober 2012, 16.15 –17.30 Uhr
Landschaftsdesign als künstlerische Praxis
Dr. des. Hannah Stippl, Wien
Die Landschaft wird nur selten als Subjekt künstlerischer Gestaltung gese-hen, ihre Gestaltung folgt wirtschaftlichen Erfordernissen von Landwirt-schaft oder Industrie, während Geographen und Landschaftsschützer die Schönheit des Landschaftsbildes beurteilen. Dabei wird die Landschaft zunehmend zum ästhetischen Problem. Was kann hier eine künstlerische Herangehensweise an die Landschaft leisten? Im Spannungsfeld dieser Fragestellungen bewegt sich die Klasse für Landschaftsdesign an der Uni-versität für angewandte Kunst Wien, deren Methoden anhand exemplari-scher Arbeiten vorgestellt werden.
Hannah Stippl ist bildende Künstlerin, Kuratorin und Landschaftstheoreti-kerin mit Schwerpunkt Ästhetik und Partizipation. Kuratorische Projekte sind u.a.: „Die Lesbarkeit der Brache“ (2009 Botanischer Garten der Universität Wien) und „(landscape) with flowers“ (2013 IG Bildende Kunst Wien).  Gemeinsam mit der Landschaftsdesignerin Anita Duller entwickelt sie im Duo „The Flowerbeds“ eine neue künstlerische Methode zur Anlage von Staudenbeeten. In ihrer künstlerischen wie theoretischen Arbeit befragt sie Gewohnheiten und Aberrationen der Wahrnehmung von Natur. Ihre Dissertation Nur wo der Mensch die Natur gestört hat wird die Landschaft wirklich schön bietet die erste Aufarbeitung der landschaftstheoretischen Aquarelle von Lucius Burckhardt. Derzeit lehrt sie Landschaftsdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien und ist Mitarbeiterin des PEEK Forschungsprojektes „Eden’s Edge“.

15. November 2012, 16.15 –17.30 Uhr
«Alles sei ganz erneut» – Fritz Metzgers St. Karli-Kirche in Luzern
Dr. André Rogger, Luzern
Die 200 m flussabwärts des Schulgebäudes Sentimatt gelegene St. Karli-Kirche (erbaut 1932-34) fehlt in keinem Standardwerk zur Modernen Architektur in der Schweiz. Ihr Erbauer, der junge Winterthurer Architekt Fritz Metzger, hievte mit dem radikalen Betonbau die Diskussion um ein der katholischen Kirche angemessenes ‚Neues Bauen’ ins Rampenlicht einer breiten öffentlichen Diskussion. In ihrer Entstehungszeit als kämpferisches Manifest einer starken Kirchengemeinschaft propagiert, erlaubt der Blick von heute eine geweitete Perspektive auf das nicht nur im baulich, sondern auch in seiner Innenausstattung weitgehend original erhaltenen Schlüsselwerk. Der Vortrag erörtert die architektonische Formensprache Metzgers im europäischen Kontext und bindet sie in ein geistes- und kulturgeschichtliches Umfeld der 1930er Jahre ein.
Nach seinem Studium der Kunstwissenschaften und der Anglistik an der Universität Basel war André Rogger 1994-99 Konservator der Sammlung im Kunstmuseum Luzern. Anschliessend schrieb er innerhalb eines Forschungsprojekts des Schweizerischen Nationalfonds an den Universitäten von Edinburgh, London und New Haven (CT) seine Dissertation zur britischen Landschaftsästhetik um 1800. Mit Auszeichnungen des Getty Research Institute und der Huntington Library, beide Los Angeles, erschienen diese Studien als Landscapes of Taste: the art of Humphry Repton’s Red Books (Routledge, 2007). Seit 2003 lehrt er an der HSLU D&K und spezialisiert sich hier auf Themen der Kunstgeschichte, v. a. der Malerei, und auf die zeitgenössische Kunst und ihr Ausstellungswesen. Seit 2007 ist er auch Kurator der Sammlung Credit Suisse.

29. November 2012, 16.15 –17.30 Uhr
Ambiguität und Vieldeutigkeit zeichnerischer Markierungen im visuellen Diskurs des 19. Jahrhunderts
Dr. Iris Wien, London
In England entfaltete sich im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert ein intensiver Diskurs über das Phänomen graphischer Markierungen in Zeichnungen. Welcher bildnerische Status wurde diesem Element, das die Grundlage des Werkes bildet und es gleichsam hervorbringt, zugewiesen? Vor allem die Ambiguität und Vieldeutigkeit zeichnerischer Chiffren bereitete Schwierigkeiten bei der theoretischen Konzeptualisierung der Zeichnung.  So verweisen sie einerseits auf die persönliche Handschrift des Künstlers, andererseits sollen sie aber in einer weiterhin auf die Naturnachahmung zielenden Kunstdoktrin einen Gegenstandsbezug herstellen. Der Vortrag geht der Frage nach, wie dies in Zeichenmanualen der Zeit gedacht wurde.
Nach einem Studium der Architektur und Stadtplanung in Stuttgart (Vordiplom), der Kunstgeschichte, Philosophie und Soziologie in Bonn und Bochum 2005 Promotion an der Freien Universität Berlin. Die Dissertation ist 2009 unter dem Titel Joshua Reynolds. Mythos und Metapher im Fink Verlag erschienen. Von 2006-2012 wissenschaftliche Assistentin am Kunstgeschichtlichen Institut der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt. Ab Mai 2012 Marie Curie Fellow am Courtauld Institute, London.

Diese Veranstaltungen sind öffentliche Lectures mit anschliessender Diskussion. Ort: Zollhaus Luzern, Hauptstrasse 62+64, Luzern Bus Nr. 2 bis Haltstelle Zollhaus