Die Organisation zeitgenössischer Kunst

By Vera Leisibach on
Zur Vorgeschichte des New Institutionalism am Beispiel Grossbritanniens

In den letzten Jahrzehnten hat sich die institutionelle Landschaft im Kunstbetrieb markant verändert: die Formen der Produktion und Förderung zeitgenössischer Kunst haben nicht nur stark zugenommen, sie haben sich ausdifferenziert und in Hinsicht auf künstlerische Positionen und Inhalte spezialisiert. Unter dem Schlagwort des New Institutionalism wurden diese Entwicklungen in den letzten Jahren zugleich kritisch analysiert wie dabei nach neuen, adäquaten Modellen für die Organisation zeitgenössischer Kunst angesichts der komplexen und ambivalenten gesellschaftlichen Konstellationen gesucht wurde. Kennzeichen dieser aktuellen Situation ist die enge Verschränkung von und das Oszillieren zwischen kritischer Praxis und neoliberalen Ansprüchen. Das zumindest suggerieren die meisten diese Thematik aufgreifenden Debatten und sie haben entsprechende Topoi hervorgebracht: etwa der, dass jüngere Institutionen auf Grund ihrer kritischen Aktivitäten geschlossen würden, dass stattdessen kritische Positionen von traditionellen Häusern oder dem Kunstmarkt absorbiert (bzw. vereinnahmt) würden und es damit zu einer Homogenisierung der institutionellen Landschaft gekommen sei oder auch der, dass die neoliberal motivierte Ökonomisierung auch im Kunstbetrieb zum hegemonialen Parameter geworden ist.
Die Untersuchung schliesst an diese Überlegungen mit der konkreten Analyse des Beispiels London an. Vor der Matrix der Theorie der radikalen Demokratie im Sinne Laclau/Mouffes werden die Topoi kritisch und in historischer Perspektive befragt. Ziel ist es die Widersprüchlichkeit der Konstellationen erneut sichtbar zu machen und auf Basis der differenzierten Betrachtung die darin zur Debatte stehenden Kategorien (Autonomie, kritische Praxis, Kulturpolitik, Ökonomisierung usf.) der aktuellen Situation entsprechend erneut fruchtbar zu machen.
England bzw. London ist für die Untersuchung in mehrfacher Hinsicht ein besonders geeignetes Beispiel: Nicht nur finden sich hier Frühformen eines New Institutionalism lange bevor er auf dem europäischen Festland zum Thema wurde (nämlich bereits in der Nachkriegszeit), auch ist die institutionelle Landschaft in mehrfacher Hinsicht (Organisation, Finanzierung, Inhalte usf.) eine der vielfältigsten weltweit. Gleichzeitig spürte  auch der Kunstbetrieb die Folgen der ebenfalls sehr frühen und nicht minder radikalen neoliberalen Politik Margret Thatchers, die ihrerseits aber sehr viel komplexer und widersprüchlicher sind als es in den kritischen Debatten kolportiert wird.

Leitung: Rachel Mader